01Politischer Kontext vs. Personalsache
Der Standard widmet dem geopolitischen Rahmen — US-Sanktionen, geänderte Abstimmungsregeln, Angriffe auf die Institution — erheblichen Raum und behandelt Khans Abberufung als Symptom einer tieferen Systemkrise. Kurier und Salzburger Nachrichten hingegen konzentrieren sich auf den Beschluss als solchen und nennen die Missbrauchsvorwürfe als primären Absetzungsgrund, ohne politische Hintergründe zu vertiefen. Krone und oe24 folgen demselben Muster, jedoch mit stärker personalisierter Schlagzeile ('Sex-Vorwürfe').
02Institutionelle Krise des IStGH
Die Presse hebt mit dem Titel 'Verrückte und Irre' und dem Begriff 'tiefe Krise' die strukturelle Dimension am deutlichsten hervor — allerdings ohne expliziten Fokus auf US-Politik. Der Standard argumentiert ähnlich, verortet die Krise aber stärker im geopolitischen Kräftespiel. Mitte-Medien wie TT und Kurier belassen es bei der Meldung des Beschlusses, ohne eine übergeordnete institutionelle Einordnung vorzunehmen.
03Wortwahl bei den Vorwürfen
Krone formuliert plakativ 'Sex-Vorwürfe' bereits in der Headline, während Standard und Kurier den juristisch präziseren Begriff 'sexuelle Übergriffe' verwenden. Die Presse in ihrer Faktenmeldung hält sich ebenfalls an 'Vorwurf sexueller Übergriffe'. Diese Wortwahl-Differenz ist gering, aber beim Boulevardmedium Krone am stärksten auf Aufmerksamkeitsgenerierung ausgerichtet.
04Rolle der USA
Der Standard ist das einzige Medium, das den amerikanischen Druck auf den IStGH prominent thematisiert und als mitursächlich für die Krise des Gerichts darstellt. Alle anderen Medien — Mitte wie Rechts — erwähnen die US-Dimension in den erfassten Snippets nicht oder nur peripher. Diese Auslassung ist bei Rechtsmedien wie oe24 und Krone besonders ausgeprägt.