01Fokus der Berichterstattung
Der Kurier konzentriert sich auf die Angebotsseite der Sanktionspolitik: Wie die EU intern verhandelt und warum nationale Ausnahmen die gemeinsame Wirkung verwässern. Die Presse hingegen richtet den Blick auf die Nachfrageseite — also auf die tatsächlich messbare Wirkung bei Russland selbst — und stellt eine neue Moskauer Studie zur wirtschaftlichen Schadenshöhe vor. Beide Artikel beschäftigen sich zwar mit der Wirksamkeit der Sanktionen, wählen aber grundlegend unterschiedliche Zugänge: EU-interne Schwäche versus externe Schadensmessung.
02Tonalität und Bewertung
Der Kurier wählt eine kritisch-ernüchternde Tonalität gegenüber der EU-Institutionenpolitik und benennt das Scheitern offen: Die bisherigen 21 Pakete hätten Moskau 'kaum bremsen' können. Die Presse bleibt demgegenüber analytisch-abwägend und stellt die russische Studie mit erkennbarer Skepsis vor — die Formulierung 'wie realistisch ist ihr Ergebnis?' signalisiert journalistische Distanz, ohne eine eindeutige Wertung zu fällen.
03Schuldzuschreibung
Der Kurier verortet die Verantwortung für die Sanktionsschwäche klar im Inneren der EU: Es sind die Mitgliedsstaaten, die durch Ausnahmen die Wirksamkeit untergraben. Die Presse verzichtet auf eine solche Zuschreibung und behandelt die Frage der Sanktionswirkung als offenes empirisches Problem, das unterschiedliche Schätzungen zulässt — die Schuldfrage bleibt damit bewusst ausgeklammert.
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