01Tonalität und Dramatisierung
Während Der Standard nüchtern von einem 'langen und pikanten Rechtsstreit' spricht und den institutionellen Verlauf in den Vordergrund stellt, überbieten sich Boulevard-Outlets mit Zuspitzungen: Heute titelt 'Prozess des Jahres', eXXpress schreibt von 'Showdown' und 'Vier-Millionen-Poker', oe24 kündigt den 'Millionen-Prozess' an. Profil und Falter bleiben demgegenüber sachlich, ohne den Fall zu dramatisieren. Mitte-Medien wie Kurier und Kleine Zeitung bewegen sich in der Mitte dieser Tonalitätsskala.
02Kündigungsgrund vs. Verfahrensdrama
Der Standard setzt die Begründung der Kündigung — 'untragbares Verhalten als Führungskraft' — prominent in den Titel und rahmt den Prozessauftakt inhaltlich. Boulevard-Medien hingegen konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Klagsumme und die Wiedereinstellungsforderung, ohne die arbeitsrechtliche Begründung des ORF näher darzustellen. eXXpress betont Weißmanns Kampfbereitschaft ('will seine Kündigung nicht hinnehmen'), während Der Standard den ORF-Standpunkt stärker gewichtet.
03Verknüpfung mit ORF-Personalpolitik
Krone, eXXpress und oe24 stellen die Koinzidenz von Prozessauftakt und Direktorenwahl am selben Tag besonders heraus — Krone titelt 'Showdown im ORF - Weißmann-Prozess startet am Tag der Direktorenwahl' — und deuten damit einen institutionellen Machtkampf an. Links-Medien und Mitte-Outlets erwähnen diesen Zusammenhang allenfalls am Rande, ohne ihn als dramaturgisches Element zu nutzen.
04Pressefreiheit und Chat-Veröffentlichung
Der Falter widmet dem OLG-Urteil zur Veröffentlichung der Weißmann-Chats einen eigenen Artikel und wertet die Entscheidung als 'Signal für die Pressefreiheit insgesamt'. Auch oe24 erwähnt kurz, dass Weißmann vor den OGH ziehen wolle. Boulevard-Medien und Mitte-Outlets behandeln diesen Aspekt nicht eigenständig, sondern allenfalls als Randnotiz im Gesamtkontext.